6/24.6 Praxisbewertung

Autor: Böttges-Papendorf

Modifizierte Ertragswertverfahren als Standard

Nachdem das Institut für Wirtschaftsprüfer im Standard IDW S1 bereits 2008 festgestellt hatte, dass ausschließlich zukunftsorientierte Ertragswertverfahren noch berufsrechtlich vertretbaren Standards für die Unternehmensbewertung entsprechen, ist auch in die traditionelle Praxisbewertung für Arzt- und Zahnarztpraxen Bewegung gekommen. Allerdings konnte aufgrund der Besonderheiten die traditionelle Umsatzmethode nicht sofort durch rein ertragswertorientierte Verfahren abgelöst werden, da diese den besonderen Gegebenheiten in den freiberuflichen Arzt- und Zahnarztpraxen nicht gerecht wurden. Im Jahr 2008 hat die Bundesärztekammer dann ihre Hinweise zu einem modifizierten Ertragswertverfahren für die Bewertung von Arztpraxen herausgebracht und 2011 wurde durch ein entsprechendes Urteil des BGH dann das "modifizierte Ertragswertverfahren" quasi "gerichtsfest". Mit den gleichlautenden Hinweisen von Bundessteuerberaterkammer und IDW wurde dann 2014 nach langem Ringen auch von offizieller Seite formuliert, dass und welche Besonderheiten bei der Bewertung von KMU einschließlich Freiberuflerpraxen zu beachten sind. Mit IDW S13 kamen dann 2016 noch einmal Grundsätze zu Besonderheiten bei der Unternehmensbewertung zur Bestimmung von Ansprüchen im Familien- und Erbrecht hinzu. Die Diskussion ist aber noch nicht abgeschlossen. Immer wieder tauchen neue Aspekte auf. Zuletzt sind mit IDW Praxishinweis 2/2018 Hinweise zur Berücksichtigung des Verschuldungsgrads bei der Bewertung von Unternehmen hinzugekommen.