BFH - Urteil vom 24.07.2025
X R 10/20
Normen:
EStG § 10 Abs. 1 Nr. 3; EStG § 10 Abs. 1 Nr. 3 S. 1 Buchst. a); EStG § 10 Abs. 1 Nr. 3 S. 1 Buchst. b); EStG § 10 Abs. 4 S. 1; EStG § 10 Abs. 4 S. 2; EStG § 10 Abs. 4 S. 3; EStG § 10 Abs. 4a; EStG § 10 Abs. 1 Nr. 3a; GG Art. 3 Abs. 1; GG Art. 6 Abs. 1; GG Art. 20 Abs. 1; GG Art. 19 Abs. 4; GG Art. 103 Abs. 1; GG Art. 100 Abs. 1 S. 1; SGB XI § 1 Abs. 1; SGB XI § 1 Abs. 2 S. 1; SGB XI § 1 Abs. 2 S. 2; SGB XI § 23; SGB XI § 43; SGB XII § 61; SGB XII § 63 Abs. 1 Nr. 5; SGB XII § 65; SGB XII § 32; SGB XII § 47; FGO § 76 Abs. 1 S. 1; FGO § 109 Abs. 1; FGO § 109 Abs. 2 S. 1; BVerfGG § 80;
Fundstellen:
BB 2025, 2518
BFH/NV 2025, 1657
BB 2025, 2912
NJW 2025, 3738
DStRE 2026, 8
NZA 2026, 20
Vorinstanzen:
FG Hessen, vom 08.04.2020 - Vorinstanzaktenzeichen 9 K 2170/17

Einkommensteuerrechtliche Abziehbarkeit von Beiträgen zu einer freiwilligen privaten Pflegezusatzversicherung als Sonderausgaben; Folgen des Prinzips der Steuerfreiheit des Existenzminimums

BFH, Urteil vom 24.07.2025 - Aktenzeichen X R 10/20

DRsp Nr. 2025/12758

Einkommensteuerrechtliche Abziehbarkeit von Beiträgen zu einer freiwilligen privaten Pflegezusatzversicherung als Sonderausgaben; Folgen des Prinzips der Steuerfreiheit des Existenzminimums

1. Der Sonderausgabenabzug von Beiträgen für eine freiwillige private Pflegezusatzversicherung, die der (teilweisen) Absicherung von nicht durch die Pflege-Pflichtversicherung gedeckten Kosten wegen dauernder Pflegebedürftigkeit dient, ist verfassungsrechtlich nicht geboten, da der Gesetzgeber sich bewusst für ein Teilleistungssystem entschieden hat. 2. Das Prinzip der Steuerfreiheit des Existenzminimums erfordert lediglich, dass der Staat diejenigen Beiträge für Pflegeversicherungen steuerlich freistellen muss, die der Gesetzgeber als verpflichtende Vorsorge ansieht und die nicht über das sozialhilferechtliche Niveau hinausgehen. 3. Die Regelung in § 10 Abs. 4 Satz 4 des Einkommensteuergesetzes (EStG), nach welcher Beiträge für eine freiwillige private Pflegezusatzversicherung (§ 10 Abs. 1 Nr. 3a EStG) unberücksichtigt bleiben, wenn der (gemeinsame) Höchstbetrag (§ 10 Abs. 4 Satz 1 bis 3 EStG) bereits durch die Beiträge zur Basisabsicherung der Kranken- und Pflegeversicherung (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG) ausgeschöpft wird, ist daher verfassungsrechtlich unbedenklich.

Tenor