20.1 Begriff

Autor: Löbe

20.1

"Organschaft" ist ein rein steuerliches Rechtsinstitut zur Besteuerung verbundener Unternehmen im Bereich der Körperschaftsteuer, der Gewerbesteuer und der Umsatzsteuer. Bei einer Organschaft bestehen mindestens zwei zivil- bzw. gesellschaftsrechtlich selbständige Betriebe, bei denen eine wirtschaftliche Abhängigkeit vorliegt. Die Folge einer Organschaft besteht darin, das Einkommen einer Organgesellschaft einem anderen Steuerpflichtigen, dem Organträger, zuzurechnen. Weitere Konsequenz ist hierdurch, dass bei dem Organträger1) die Besteuerung insgesamt vorzunehmen ist. Dies stellt eine Abweichung von dem im deutschen Steuerrecht vorherrschenden Steuersubjektprinzip dar. Die Organschaft knüpft an bestimmte vorgefundene wirtschaftliche Verhältnisse an, nämlich an die Existenz wirtschaftlich stark verbundener Unternehmen (finanzielle Eingliederung), die sich untereinander darüber hinaus in besonderer Weise durch Abschluss eines Gewinnabführungsvertrags (zumeist in Kombination mit einem Beherrschungsvertrag) gebunden haben. Der besonders hohe Grad der auf diese Weise bewirkten wirtschaftlichen Abhängigkeit des zur Gewinnabführung verpflichteten Unternehmens von der Obergesellschaft dient als Grund, die verbundenen Unternehmen in Bezug auf die steuerliche Rechtsfolge wie einen einzigen Steuerpflichtigen anzusehen.

20.2