14.8 Gesellschafterwechsel zum Kaufpreis von 1 euro

Autor: Bolk

14.8.1 Außerbetriebliche oder betriebliche Veranlassung

14.144

Für den Fall, dass ein Mitunternehmeranteil zum symbolischen Preis von 1 Euro veräußert wird, ist zunächst zu prüfen,1) ob die Preisvereinbarung auf außerbetrieblicher Veranlassung beruht. Ist dies der Fall, dann ist die Zahlung ohne Bedeutung. Die Übertragung wird als unentgeltlicher Vermögensübergang nach § 6 Abs. 3 Satz 1 EStG gewürdigt. Der Rechtsnachfolger ist an die Werte des Rechtsvorgängers gebunden (§ 6 Abs. 3 Satz 3 EStG ). Bei praxisgerechter Trennung der Kapitalkonten werden diese unverändert fortgeführt (siehe dazu bereits Rdnr. 14.3 ff.). Fehlt es jedoch an einer außerbetrieblichen Veranlassung, weil es sich insbesondere um die Nachfolge eines fremden Dritten in die Gesellschafterstellung handelt oder weil ein Arbeitnehmer dieser Gesellschafter zur Sicherung seiner beruflichen Tätigkeit den Anteil übernimmt, dann ist bei positivem Kapitalkonto weder ein Ertrag noch bei negativem Kapitalkonto ein sofort abzugsfähiger Verlust zu berücksichtigen. Im Hinblick auf die Differenz zum Kapitalkonto, die nicht auf stille Reserven oder Minderreserven entfällt, sind in der Ergänzungsbilanz Ausgleichsposten2) auszuweisen,3) und zwar bei negativem Kapitalkonto ein aktiver Ausgleichsposten und bei positivem Kapitalkonto ein passiver Ausgleichsposten. Unzulässig ist dagegen der Ausweis eines negativen Firmenwerts.