FG Münster - Urteil vom 05.10.2010
15 K 3961/07 U
Normen:
UStG § 12 Abs. 2 Nr. 7d; UStDV § 30; UStG § 12 Abs. 1;

Frage des Steuersatzes bei Umsätzen einer Eventagentur

FG Münster, Urteil vom 05.10.2010 - Aktenzeichen 15 K 3961/07 U

DRsp Nr. 2010/23226

Frage des Steuersatzes bei Umsätzen einer Eventagentur

Gem. § 12 Abs. 2 Nr. 7d UStG ermäßigt sich die Steuer auf 7 v.H. für die Leistungen aus der Tätigkeit als Schausteller. Die Vorschrift hat zwar nicht zur Voraussetzung, dass der Schausteller in eigener Person Musikaufführungen u.Ä. erbringt, vielmehr reicht es aus, dass er diese Leistungen im eigenen Namen mit Hilfe seiner Arbeitnehmer oder sonstiger Erfüllungsgehilfen erbringt. Umsätze, die allerdings als bloße organisatorische Leistung anzusehen sind, werden nicht von der Steuerermäßigung erfasst.

Normenkette:

UStG § 12 Abs. 2 Nr. 7d; UStDV § 30; UStG § 12 Abs. 1;

Tatbestand:

Streitig ist im Rahmen der Umsatzsteuer (USt) - Festsetzung für 2005 und 2006, ob die Umsätze einer Eventagentur mit dem Regelsteuersatz oder mit dem ermäßigten Umsatzsteuersatz zu besteuern sind.

Der Kläger (Kl.) ist Eigentümer des Grundstücks A-Str. 7, I. Einen Teil dieses Grundstücks hat er an die QD GmbH (im Folgenden: GmbH) vermietet, die zu einem vom Kl. beherrschten Konzern gehört. Der Kl. ist alleiniger Gesellschafter der GmbH. Geschäftsführer der GmbH sind Frau FL und Herr EM. Frau FL wurde nach Angaben des Kl. in den Streitjahren von einer anderen GmbH des Konzerns des Kl., deren Alleingesellschafter ebenfalls der Kl. ist, bezahlt. Die GmbH (= QD GmbH) wurde 1991 vom Kl. als Alleingesellschafter errichtet. Nach § 5.1 des Gesellschaftsvertrages bedürfen die Geschäftsführer im Innenverhältnis der vorherigen Zustimmung der Gesellschafterversammlung zu folgenden Geschäften: Erwerb, Veräußerung und Belastung von Grundstücken sowie von Unternehmen bzw. von Rechten und Beteiligungen an solchen, den Abschluss und die Auflösung von Ergebnisabführungsverträgen sowie Organschaftsverträgen jeder Art, den Abschluss von Verträgen jeder Art, die die Gesellschaft länger als ein Jahr binden, den Erwerb von beweglichen Gütern des Anlagevermögens im Wert von mehr als 20.000 DM, die Errichtung oder den Ausbau von Gebäuden, die Beteiligung an anderen Unternehmen, die Übernahme von Bürgschaften, die Einleitung von Rechtsstreitigkeiten mit einem Gegenstandswert von mehr als 10.000 DM, die Aufnahme und Gewährung von Darlehen, sowie die Aufnahme und Beendigung von Bankverbindungen. Nach § 5.2 des Gesellschaftsvertrages ist die Gesellschafterversammlung berechtigt, den Katalog der Zustimmungsbedürftigen Geschäfte gemäß § 5.1 jederzeit zu erweitern oder zu beschränken. Nach § 5.3 des Gesellschaftsvertrages bedürfen der oder die Geschäftsführer auch der Zustimmung bei Geschäften oder Maßnahmen, über die die Gesellschafterversammlung nach Gesetz und Gesellschaftsvertrag zu beschließen hat sowie bei bedeutungsvollen Geschäften, insbesondere solchen, die über den gewöhnlichen Rahmen des Geschäftsbetriebes hinausgehen. Die Beteiligten gehen übereinstimmend von einer umsatzsteuerlichen Organschaft zwischen dem Kl. als Organträger und der GmbH als Organgesellschaft aus.

Gegenstand des Unternehmens der GmbH ist die Veranstaltung von verschiedenen Events. Ihre Tätigkeit besteht in der Planung, Vorbereitung, Koordination, Organisation, Durchführung und Kontrolle von Veranstaltungen aller Art. einschließlich der Abwicklung aller damit unmittelbar oder mittelbar zusammenhängenden Dienstleistungs- und Handelsgeschäften.

Die GmbH plant pro Jahr ca. 6 Großveranstaltungen in Form von Szenetreffs verschiedener Automarken (z. B. ... Forum, ... Hits) sowie Tattoo-Foren, City-Kart-Rennen, US Biker-Treffen o. ä.. Die Werbung hierfür erfolgt über Plakate, Flyer, Zeitschriften und das Internet. Im Wesentlichen werden die Veranstaltungen durch die anwesenden Zuschauer selbst mitgestaltet; für die Organisation/Planung sind die Geschäftsführer verantwortlich. Für den Veranstaltungsablauf bedient sich die GmbH diverser Aushilfen. Die Veranstaltungen selbst verlaufen nach einem einheitlichen Schema:

- Präsentation getunter und gestylter Pkw durch die Besucher der Veranstaltungen

- Autorennen, an welchem die Zuschauer mit ihren eigenen Pkws teilnehmen können ("Public Race")

- Präsentation automobiler Schönheiten durch die Zuschauer ("Show-& Shine-Contest")

- Präsentation der kuriosesten, kreativsten und originellsten Pkw - Umbauten durch die Zuschauer ("Crazy-Car-Wettbewerb")

- Prämierung des Pkw mit der besten Sound-Anlage ("Boombasstic")

- Wahl der Miss...

- Hot Car-Wash

- Showprogramm, Akrobatik und Stunts durch engagierte Darsteller

- Catering und Händlermeile

- Zur Verfügung stellen von Campingplatz und sanitären Anlagen.

Eintrittskarten werden sowohl im Vorverkauf als auch als Tageskarten angeboten.

Im Rahmen einer im Jahre 2006 durchgeführten Umsatzsteuersonderprüfung bezüglich der Umsätze der GmbH wurde festgestellt, dass die Einnahmen in Höhe von xxx EUR im Jahr 2005 aus den Verkäufen der Eintrittskarten für die organisierten Veranstaltungen seitens des Kl. dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 % gem. § 12 Abs. 2 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) unterworfen worden waren.

Nach Auffassung des Kl. - so seine Begründung - hatten die durchgeführten Veranstaltungen den Charakter eines Jahrmarktes und eine Volksfestes bzw. hilfsweise einer ähnlichen Veranstaltung, so dass der ermäßigte Steuersatz gem. § 12 Abs. 2 Nr. 7 d UStG i. V. m. § 30 der Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UStDV) anzuwenden sei. Ausschlaggebend für die Besteuerung der Umsätze sei die Leistungserbringung an den Endverbraucher. Nach dem Erlass des Bundesfinanzministeriums vom 06.01.2004 - IV B 7-S 7241 4/03 und dem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 18.07.2002 V R 89/01, BFHE 199, 93, BStBl. II 2004, 88, sei es nicht mehr erforderlich, dass ein Schausteller persönlich die steuerbegünstigten Leistungen erbringe. Es reiche aus, die Veranstaltungen zu organisieren, deren Ort und Ablauf zu bestimmen und von seinen Arbeitnehmern oder anderen Erfüllungsgehilfen den Leistungsaustausch im eigenen Namen gegenüber den Besuchern der Veranstaltung erbringen zu lassen. Für die Durchführung der Veranstaltung könne der Veranstalter auch sonstige Erfüllungsgehilfen engagieren. Hierunter würden auch die Teilnehmer einer Veranstaltung fallen, die selbst etwas zur Schau stellen könnten und sich hierzu bereit erklärten. Zu jeder Veranstaltung gehöre aber auch ein Unterhaltungsprogramm mit darstellenden Künstlern sowie ein umfassendes Musikprogramm, für deren Honorare der Kl. aufkomme und die für die Besucher im Eintrittspreis der Veranstaltung enthalten seien.

Die Umsatzsteuersonderprüferin (vgl. Prüfungsbericht vom 16.08.2006) und ihr folgend der Beklagte waren bzw. sind hingegen der Auffassung, dass die streitbefangenen Umsätze mit dem Regelsatz gem. § 12 Abs. 1 UStG zu besteuern sind. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass die GmbH weder selbst noch durch angestellte Personen schaustellerische Leistungen erbringe. Die GmbH selbst stelle keine Personen oder Fahrzeuge zur Verfügung, die Gegenstand entsprechender Veranstaltungen seien. Die Veranstaltungen würden von den Zuschauern/Besuchern leben, welche ihre eigenen Fahrzeuge zur Schau stellen würden. Im Vordergrund der Veranstaltungen stünde jeweils ein Autotreffen einer bestimmten Marke, welches die Veranstaltung präge. Mit dem einheitlichen Eintrittsgeld erhielten die Besucher auch unterschiedliche Leistungen des Veranstalters, wie z. B. Darbietung verschiedener Show-Acts, Benutzung von Parkplätzen und sanitären Einrichtungen sowie des Campingplatzes und Einkaufsmöglichkeiten. Aus diesem Grunde komme auch eine Aufteilung des einheitlichen Eintrittsgeldes nicht in Betracht.

Unter dem 16.11.2006 erließ der Beklagte geänderte USt-Vorauszahlungsbescheide für März, April, Mai, Juni, Juli, August und Oktober 2005 sowie März 2006, in denen die streitbefangenen Umsätze dem Regelsteuersatz unterworfen wurden. Dagegen erhob der Kl. Einsprüche. Ferner reichte er unter dem 16.11.2006 eine USt-Jahreserklärung für 2005 beim Beklagten ein. Daraufhin erließ der Beklagte unter dem 16.03.2007 einen USt-Jahresbescheid für 2005 auf den verwiesen wird. Auch darin wurden die streitbefangenen Umsätze dem Regelsteuersatz unterworfen. Auch gegen den USt-Jahresbescheid für 2005 erhob der Kl. Einspruch.

Mit Einspruchsentscheidung (EE) vom 06.09.2007, auf die Bezug genommen wird, wies der Beklagte die Einsprüche gegen die genannten USt-Vorauszahlungsbescheide als unbegründet zurück. Der USt-Jahresbescheid 2005 vom 16.03.2007 wurde in der EE nicht erwähnt.

Der Kl. hat am 21.09.2007 Klage erhoben, mit der er sein Begehren weiter verfolgt. Zur Begründung wiederholt und vertieft er sein bisheriges Vorbringen.

Während des Klageverfahrens hat der Kl. am 18.12.2007 beim Beklagten die Jahresumsatzsteuererklärung für 2006 eingereicht, in der er die streitbefangenen Umsätze dem Regelsteuersatz unterworfen hat.

Der Kl. beantragt,

unter Aufhebung der EE vom 06.09.2007 den USt-Jahresbescheid für 2005 vom 16.03.2007 und die mit der USt-Erklärung für 2006 vom 18.12.2007 erfolgte USt-Festsetzung für 2006 zu ändern und die USt für 2005 von xxx EUR auf xxx EUR und für 2006 von xxx EUR auf xxx EUR herabzusetzen.

Der Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Zur Begründung wiederholt und vertieft er seine bisherigen Ausführungen.

Entscheidungsgründe:

Die Klage ist zwar zulässig, aber unbegründet.

Bezüglich der Zulässigkeit der Klage bestehen letztlich keine durchgreifenden Bedenken. Die EE vom 06.09.2007 bezieht sich zwar nicht auf den USt-Jahresbescheid für 2005 vom 16.03.2007. Dieser USt-Jahresbescheid für 2005 ist aber Gegenstand des Einspruchsverfahrens geworden und kann damit nach Ergehen der EE mit der vorliegenden Klage angefochten werden. Auch hinsichtlich des Streitjahres 2006 ist die Klage zulässig. Das Einspruchsverfahren bezieht sich zwar nur auf die USt-Vorauszahlung für März 2006. Die vom Kl. während des Klageverfahrens abgegebene USt-Jahreserklärung für 2006 steht aber nach § 168 der Abgabenordnung (AO) einer Steuerfestsetzung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung gleich und ist damit nach § 68 der Finanzgerichtsordnung (FGO) Gegenstand des vorliegenden Klageverfahrens geworden. Da der Kl. durchgehend seine Rechtsauffassung vertreten hat, die streitigen Umsätze seien nur mit dem ermäßigten Steuersatz zu besteuern, steht der Zulässigkeit auch nicht entgegen, dass der Kl. in der Jahresumsatzsteuererklärung für 2006 die betroffenen Umsätze dem Regelsteuersatz unterworfen hat.

Die Klage ist aber unbegründet, denn die angefochtenen Bescheide sind rechtmäßig und verletzen den Kl. nicht in seinen Rechten (§ 100 Abs. 1 Satz 1 FGO).

Nach § 1 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG unterliegen die Umsätze (Lieferungen und sonstige Leistungen), die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt, der USt. Die streitbefangenen Umsätze sind dem Kl. als Unternehmer zuzurechnen, denn zwischen ihm und der GmbH besteht eine umsatzsteuerliche Organschaft mit der Folge, dass er als Organträger die Umsätze der GmbH als Organgesellschaft umsatzsteuerlich zu versteuern hat (§ 2 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 2 UStG)

Eine umsatzsteuerliche Organschaft liegt nach § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG vor, wenn eine juristische Person nach dem Gesamtbild der tatsächlichen Verhältnisse finanziell, wirtschaftlich und organisatorisch in das Unternehmen des Organträgers eingegliedert ist. Für die Annahme einer Organschaft ist es nicht erforderlich, dass sich alle drei in § 2 Abs. 2 Nr. 2 UStG genannten Merkmale einer Eingliederung gleichermaßen deutlich feststellen lassen; nach dem Gesamtbild der tatsächlichen Verhältnisse kann die Selbständigkeit der Organgesellschaft auch dann fehlen, wenn die Eingliederung auf einem der drei Gebiete nicht vollkommen ist. Tritt auf einem der drei Gebiete die Eingliederung weniger stark in Erscheinung, so hindert dies nicht, trotzdem eine Organschaft anzunehmen, wenn sich die Eingliederung deutlich auf den beiden anderen Gebieten zeigt. Allerdings reicht es nicht aus, dass eine Eingliederung nur in Bezug auf zwei der drei Merkmale besteht. Von der finanziellen Eingliederung kann weder auf die wirtschaftliche noch auf die organisatorische Eingliederung geschlossen werden (vgl. u. a. BFH-Urteil vom 03.04.2008 V R 76/05, BFH/NV 2008, 1410; BFH-Urteil vom 05.12.2007 V R 26/06, BFHE 219, 463).

Die finanzielle Eingliederung setzt den Besitz der Anteilsmehrheit voraus, die erforderlich ist, um die wesentlichen Entscheidungen in der Organgesellschaft durchzusetzen. Im Streitfall ist diese Voraussetzung erfüllt, weil der Kl. Eigentümer des an die GmbH vermieteten Grundstücks und ferner Alleingesellschafter der GmbH ist.

Eine wirtschaftliche Eingliederung liegt vor, wenn der Organträger wirtschaftlich mit der Organgesellschaft verflochten ist, zwischen dem Unternehmen des Organträgers und der Organgesellschaft ein vernünftiger wirtschaftlicher Zusammenhang im Sinne einer wirtschaftlichen Einheit vorhanden ist. Die Tätigkeiten von Organträger und Organgesellschaft müssen aufeinander abgestimmt sein. Sie müssen sich fördern und ergänzen. Hierfür genügt die Vermietung eines Betriebsgrundstücks, wenn dieses für die Organgesellschaft von nicht nur geringer Bedeutung ist, weil es die räumliche und funktionale Grundlage der Geschäftstätigkeit der Organgesellschaft bildet (vgl. u. a. BFH-Urteil vom 13.05.2008 XI B 195/07, BFH-NV 208, 1543; BFH-Urteil vom 03.04.2003 V R 63/01, BFHE 202, 79, BStBl. II 203, 434; BFH-Beschluss vom 25.04.2002 V B 128/01, BFH/NV 2002, 1058). Im Streitfall hat der Kl. der GmbH das Betriebsgrundstück vermietet. Das Grundstück ist für die GmbH als Sitz der Gesellschaft auch von nicht nur geringer Bedeutung. Eine wirtschaftliche Eingliederung ist daher zu bejahen.

Die organisatorische Eingliederung setzt voraus, dass die mit der finanziellen Eingliederung verbundene Möglichkeit der Beherrschung der Organgesellschaft durch den Organträger in der laufenden Geschäftsführung wirklich wahrgenommen wird. Es kommt darauf an, dass der Organträger die Organgesellschaft durch die Art. und Weise der Geschäftsführung beherrscht oder aber zumindest durch die Gestaltung der Beziehungen zwischen dem Organträger und der Organgesellschaft sichergestellt ist, dass eine vom Willen des Organträgers abweichende Willensbildung bei der Organgesellschaft nicht möglich ist. Die organisatorische Eingliederung geschieht in aller Regel durch die personelle Verflechtung der Geschäftsführungen (vgl. u. a. BFH-Urteil vom 05.12.2007 V R 26/06, BFHE 219, 463, BStBl. II 2008, 451). Eine vollständige Personenidentität in den Leitungsgremien von Organträger und Organgesellschaft ist allerdings nicht erforderlich, zumal das Merkmal der Personenidentität nicht zwingend ist und die finanzielle, wirtschaftliche und organisatorische Eingliederung nicht auf allen drei Gebieten vollkommen sein muss.

Im Streitfall ist auch die organisatorische Eingliederung zu bejahen. Zu berücksichtigen ist zunächst, dass die GmbH ein Teil des Konzerns des Kl. ist, den er beherrscht. Ferner sind die in § 5 des Gesellschaftsvertrages aufgeführten Einschränkungen der Befugnisse des oder der Geschäftsführer der GmbH durch die Gesellschafter so umfangreich und schwerwiegend, dass eine organisatorische Eingliederung zu bejahen ist. So bedürfen die Geschäftsführer der vorherigen Zustimmung der Gesellschafterversammlung zu folgenden Geschäften: Erwerb, Veräußerung und Belastung von Grundstücken sowie von Unternehmen bzw. von Rechten und Beteiligungen an solchen, den Abschluss und die Auflösung von Ergebnisabführungsverträgen sowie Organschaftsverträgen jeder Art, den Abschluss von Verträgen jeder Art, die die Gesellschaft länger als ein Jahr binden, den Erwerb von beweglichen Gütern des Anlagevermögens im Wert von mehr als 20.000 DM, die Errichtung oder den Ausbau von Gebäuden, die Beteiligung an anderen Unternehmen, die Übernahme von Bürgschaften, die Einleitung von Rechtsstreitigkeiten mit einem Gegenstandswert von mehr als 10.000 DM, die Aufnahme und Gewährung von Darlehen, sowie die Aufnahme und Beendigung von Bankverbindungen. Nach § 5.2 des Gesellschaftsvertrages ist die Gesellschafterversammlung berechtigt, den Katalog der Zustimmungsbedürftigen Geschäfte gemäß § 5.1 jederzeit zu erweitern oder zu beschränken. Nach § 5.3 des Gesellschaftsvertrages bedürfen der oder die Geschäftsführer auch der Zustimmung bei Geschäften oder Maßnahmen, über die die Gesellschafterversammlung nach Gesetz und Gesellschaftsvertrag zu beschließen hat sowie bei bedeutungsvollen Geschäften, insbesondere solchen, die über den gewöhnlichen Rahmen des Geschäftsbetriebes hinausgehen. Damit sind die Befugnisse der Geschäftsführer der GmbH im Vergleich zu den Geschäftsführern nach den gesetzlichen Bestimmungen allgemein zustehenden Rechten ganz erheblich eingeschränkt. Eine Beherrschung der GmbH durch den Kl. ist wegen dieser zahlreichen Einschränkungen der Geschäftsführer der GmbH und der Beherrschung des Konzerns durch den Kl. zu bejahen, auch wenn er nominell nicht Geschäftsführer war.

Zu Recht hat der Beklagte in den angefochtenen Bescheiden und auch der Kl. in seiner Jahressteuererklärung für 2006 die Umsätze dem in den Streitjahren geltenden Regelsteuersatz von 16 % gem. § 12 Abs. 1 UStG unterworfen.

Die Voraussetzungen für die Anwendung des ermäßigten Steuersatzes von 7 % gem. § 12 Abs. 2 UStG liegen dagegen nicht vor.

Nach dem im Streitfall allein in Betracht kommenden § 12 Abs. 2 Nr. 7 d UStG ermäßigt sich die Steuer auf 7 v. H. für die Leistungen aus der Tätigkeit als Schausteller. Gem. § 30 UStDV gelten als Leistungen aus der Tätigkeit als Schausteller Schaustellungen, Musikaufführungen, unterhaltende Vorstellungen oder sonstige Lustbarkeiten auf Jahrmärkten, Volksfesten, Schützenfesten oder ähnlichen Veranstaltungen. Nach der Rechtsprechung des BFH (vgl. Urteil vom 18.07.2002 V R 89/01, BFHE 199, 93, BStBl. II 2004, 88), dem der Senat folgt, hat die Steuerermäßigung nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 d UStG zwar nicht zur Voraussetzung, dass der Schausteller in eigener Person von Ort zu Ort ziehend auf Jahrmärkten, Volksfesten, Schützenfesten oder ähnlichen Veranstaltungen Schaustellungen, Musikaufführungen, unterhaltende Vorstellungen oder sonstige Lustbarkeiten erbringt; vielmehr reicht es aus, dass er diese Leistungen im eigenen Namen mit Hilfe seiner Arbeitnehmer oder sonstiger Erfüllungsgehilfen an die Besucher dieser Veranstaltungen erbringt. Ferner können Erfüllungsgehilfen auch engagierte Schaustellergruppen sein. Gleichwohl liegen die Voraussetzungen für die Anwendung des ermäßigten Steuersatzes nicht vor. Der BFH hat in seinem Urteil vom 18.07.2002 V R 89/01, BFHE 199, 93, BStBl. II 2004, 88, nämlich auch ausgeführt, dass Umsätze, die als bloße organisatorische Leistungen angesehen werden, nicht von der Steuerermäßigung des § 12 Abs. 2 Nr. 7 d UStG erfasst werden. Die GmbH hat hier nicht eigene schaustellerische Leistungen erbracht, auch nicht im eigenen Namen mit Hilfe von Arbeitnehmern oder sonstigen Erfüllungsgehilfen. Sie hat weder selbst ein Fahrgeschäft betrieben noch schaustellerisch etwas gezeigt, oder vorgeführt. Die GmbH selbst hat vielmehr nur die Rahmenbedingungen geschaffen, die die Aktionen, z. B. Autorennen, ermöglicht haben. Die Tätigkeit der GmbH umfasst die reine Planung und Organisation von Großveranstaltungen. Sie kontaktiert die Städte und Gemeinden bezüglich der Anmietung der erforderlichen Plätze, sorgt für die Technik, Auf- und Abbau der Veranstaltung, sorgt für das Catering und die sanitären Anlagen und aquiriert einige Show-Acts.

Dies reicht nicht aus, um die Voraussetzungen des § 12 Abs. 2 Nr. 7 d UStG als erfüllt anzusehen. Als Ausnahmevorschrift ist § 12 Abs. 2 UStG eng auszulegen.

Der Senat vermag der Klage auch nicht unter Berücksichtigung des Urteils des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 13.04.2010 5 K 7215/06 B, Juris, auf das der Kl. hingewiesen hat, zu entsprechen. In dem Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg ist ausgeführt, dass dann, wenn eine GmbH seit mehreren Jahren einmal jährlich für ca. 10 Tage ein entgeltpflichtiges Volksfest veranstaltet, bei dem es zu Schaustellungen, Musikaufführungen und unterhaltenden Vorstellungen durch beauftragte Künstler als Subunternehmer kommt, die aus dem Verkauf von Eintrittskarten erzielten Umsätze nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 d oder a UStG 1999 der ermäßigten Besteuerung unterliegen. Dieser Auffassung schließt sich der erkennende Senat nicht an. In dem Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg ist ferner ausgeführt, dass die (dortige) Klägerin nach dem Gesamtbild der Veranstaltung selbst als Schausteller im Sinne des Ermäßigungstatbestandes tätig geworden ist. Damit unterscheidet sich der Sachverhalt, der der Entscheidung des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg zur Entscheidung vorlag, grundlegend von dem im vorliegenden Verfahren zu entscheidenden. Nach dem Gesamtbild des im vorliegenden Verfahren zu entscheidenden Sachverhalts ist die GmbH eben gerade nicht selbst als Schausteller im Sinne des Ermäßigungstatbestands tätig geworden.

Die Kostenentscheidung folgt aus § 135 Abs. 1 FGO.

Gründe für eine Zulassung der Revision im Sinne des § 115 Abs. 2 FGO liegen nicht vor.