9.1 Unterscheidung zwischen Share Deal und Asset Deal

Autor: Eberle

9.1

Die aus dem angloamerikanischen Sprachraum stammenden Begrifflichkeiten "Asset Deal" und "Share Deal" laufen im deutschen Recht auf die Unterscheidung zwischen einem Sachkauf nach § 433 Abs. 1 Satz 1 BGB (dann Asset Deal) und einem Rechtskauf nach § 453 Abs. 1 BGB (dann Share Deal) hinaus. Dabei ist nur ein Share Deal - also der Erwerb eines Unternehmens oder Unternehmensteils als Sachgesamtheit (oder jedenfalls mit seinen wesentlichen Bestandteilen) - ein Unternehmenskauf im engeren Sinn.

9.2

Während damit Gegenstand eines Asset Deals im Grunde jedes einzelne Wirtschaftsgut oder auch beliebig zusammengefasste (z.B. ganze Betriebsteile) Wirtschaftsgüter eines Unternehmens sind, ist beim Share Deal stets der Rechtsträger eines Unternehmens der Kaufgegenstand.1 Einem Share Deal sind alle Rechtsträger zugänglich - also Personengesellschaften sowie Kapitalgesellschaften. Die gesellschaftsrechtliche Beteiligung des Verkäufers stellt jeweils den unmittelbaren Kaufgegenstand dar. Beide Transaktionsformen lassen sich auch kombinieren. So kann es - gerade bei grenzüberschreitenden Sachverhalten - sinnvoll sein, nur einen deutschen Rechtsträger zu erwerben, von Tochtergesellschaften in anderen Jurisdiktionen allerdings einzelne Wirtschaftsgüter im Wege eines Asset Deals zu erwerben. Solche Mischformen werden in aller Regel in einem einzigen Vertrag abgebildet, den sogenannten Share and Asset Purchase Agreements.