Betriebswirt. Beratung -

Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Dezember 2006

Die deutsche Wirtschaft befindet sich konjunkturell in einem robusten Aufschwung. Mit einem Zuwachs um preis-, kalender- und saisonbereinigt 0,6 % zum Vorquartal erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2006 nunmehr im siebenten Quartal in Folge.

Die konjunkturelle Grunddynamik erscheint mittlerweile so gefestigt, dass die fiskalisch bedingte Dämpfung der Binnennachfrage ab dem Jahreswechsel relativ zügig überwunden werden dürfte.

Nach der beschleunigten Entwicklung im zweiten und dritten Quartal wurde die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe im September und Oktober allerdings etwas eingeschränkt. Sie ging im Oktober saisonbereinigt um 1,4 % zum Vormonat zurück.

 

 

 

Der Ausstoß im Verarbeitenden Gewerbe minderte sich um 1,2 % und vollzog sich in allen drei Hauptgruppen. Besonders betroffen waren bei den Investitionsgütern der Wirtschaftszweig "Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen" und bei den Konsumgütern das Ernährungsgewerbe.

 

Auch im Zweimonatsvergleich (September/Oktober gegenüber Juli/August) büßte die Gesamterzeugung im Produzierenden Gewerbe leicht um saisonbereinigt 0,6 % und die Industrieproduktion geringfügig um 0,3 % ein.

Das Vorjahresniveau wurde im Produzierenden Gewerbe arbeitstäglich bereinigt im September/Oktober um 4,6 % und in der Industrie um 5,0 % weiterhin deutlich übertroffen.

 

Die Auftragseingänge in der Industrie haben sich am aktuellen Rand nach dem kräftigen Aufwuchs zuvor im Oktober preis- und saisonbereinigt um 1,1 % abgeschwächt. Der Umfang an Großaufträgen war dabei allerdings deutlich geringer als in den Vormonaten. Obwohl im Oktober der Rückgang der inländischen Nachfrage (-2,6 %) ausschlaggebend war, gingen die schwächeren Auftragseingänge in der Industrie im September/Oktober gegenüber Juli/August (-1,7 %) auf die Entwicklung der Auslandsnachfrage (-4,6 %) zurück.

 

 

 

Die inländische Nachfrage nahm in diesem Zeitraum dagegen weiter zu (+1,3 %). Den Vorjahresstand überschritten die Auftragseingänge im September/Oktober weiterhin sehr deutlich um 7,6 % (Ursprungswert).

 

 

 

Im Bauhauptgewerbe nahm die Produktion im Oktober preis- und saisonbereinigt um 2,3 % zum Vormonat ab. Den Vorjahresstand übertraf die Bauproduktion im Zweimonatszeitraum September/Oktober aber weiterhin um arbeitstäglich bereinigt 5,0 %. Die Auftragseingänge waren hier im August und September ebenfalls rückläufig. Das ifo-Geschäftsklima für das Bauhauptgewerbe hellte sich zuletzt demgegenüber wieder zweimal in Folge auf.

 


Nach den starken Aufwüchsen in den Vormonaten kann der Rückgang der Produktion im Produzierenden Gewerbe am aktuellen Rand als Normalisierung angesehen werden, zumal vor dem Tag der deutschen Einheit diesmal ein Brückentag lag, was durch die Saisonbereinigung nicht berücksichtigt wird. Eine ähnliche Bewertung gilt auch für die Auftragseingänge in der Industrie, die in den Vormonaten durch Großaufträge eher etwas überzeichnet wurden. Die Auftragsbücher sind weiterhin gut gefüllt und das Geschäftsklima erwies sich zuletzt als gefestigt. Die Erzeugung des Produzierenden Gewerbes sollte sich somit im Verlauf des vierten Quartals wieder etwas erhöhen, zumal b is zum Jahresende im Bauhauptgewerbe durch die milde Witterung sowie durch Vorzieheffekte noch kräftige Impulse zu erwarten sind. Zum Jahreswechsel dürften sich allerdings die von der Binnennachfrage ausgehenden dämpfenden Effekte der Erhöhung der Mehrwertsteuer bemerkbar machen. Gerade die wieder steigenden Geschäftserwartungen der Unternehmen signalisieren aber, dass die Auswirkungen von den Industrieunternehmen nicht als so durchschlagend und vor allem nicht als nachhaltig eingeschätzt werden.

 


Die privaten Konsumausgaben haben sich nach vier Jahren der Stagnation im laufenden Jahr - gestützt durch die Fußball-Weltmeisterschaft sowie durch Vorzieheffekte - belebt. Die revisionsanfälligen Umsätze im Einzelhandel im engeren Sinne, also ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und ohne Tankstellen, nahmen allerdings im dritten Quartal preis- und saisonbereinigt um 0,4 % und im Oktober um 0,5 % zum Vormonat ab. Demgegenüber haben die Neuzulassungen von Personenkraftwagen mit dem Monat November im Vorgriff auf die Erhöhung der Mehrwertsteuer enorm zugenommen. Umfragen deuten darauf hin, dass bis Jahresende noch mit weiteren Vorzieheffekten zu rechnen ist. Für die Entwicklung des privaten Konsums ab dem Jahreswechsel zeichnen die Konjunkturindikatoren allerdings ein eher zurückhaltendes Bild. Das ifo-Geschäftsklima im Einzelhandel trübte sich in den vergangenen beiden Monaten wegen deutlich verschlechterter Geschäftserwartungen ein.

 


Beim Außenhandel dürfte sich die in der Tendenz zu beobachtende deutliche Aufwärtsentwicklung der Ein- und Ausfuhren bis zum Jahresende fortsetzen. Deutschland wird voraussichtlich zum vierten Mal in Folge Exportweltmeister bei den Warenexporten werden. Das robuste weltwirtschaftliche Wachstum und die hohe preisliche und qualitative Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft sind auch angesichts eines etwas stärkeren Euros gute Voraussetzungen für weitere Impulse aus dem Außenhandel. Die Warenausfuhr erhöhte sich im Oktober saisonbereinigt in jeweiligen Preisen um 2,6 % zum Vormonat. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Exporte in den beiden letzten Monaten durch Nachmeldungen etwas überzeichnet waren. Kumuliert lagen die nominellen Warenausfuhren (Ursprungswerte) im laufenden Jahr im Oktober um 13,8 % über dem Vorjahr. Die Wareneinfuhr ist im Oktober dagegen geringfügig um saisonbereinigt 0,2 % gegenüber dem Vormonat zurückgegangen. Kumuliert bis Oktober lagen die Einfuhren in jeweiligen Preisen sogar um 17,7 % (Ursprungszahlen) über dem Niveau des Vorjahres. Mit der vermutlich weiter zunehmenden Binnennachfrage im vierten Quartal, aber auch aufgrund des Importgehalts der deutschen Ausfuhren dürften die Wareneinfuhren in den kommenden Monaten ebenfalls weiter steigen. Die Handels- und Leistungsbilanz schlossen im Oktober mit deutlichen Überschüssen von 17,3 Mrd. Euro bzw. 11,6 Mrd. Euro.

 


Die Belebung des Arbeitsmarktes setzt sich - gestützt auf einen soliden konjunkturellen Aufschwung - fort. Dabei geht der Aufbau der Beschäftigung im Vorjahresvergleich um 346.000 im Oktober auf 39,68 Millionen Erwerbstätige   im Inland schon im gesamten Jahresverlauf vor allem von der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung aus. Diese erhöhte sich im September nach ersten Hochrechnungen binnen Jahresfrist um 317.000 Personen. Besserungstendenzen sind mittlerweile in den meisten Wirtschaftsbereichen zu beobachten. Zuletzt wirkte sich zusätzlich die milde Witterung positiv auf den Arbeitsmarkt aus. Die Arbeitslosigkeit ging somit im November ungewöhnlich stark um saisonbereinigt 86.000 Personen weiter zurück und unterschritt sogar erstmals seit vier Jahren die Vier-Millionen-Grenze. Die Arbeitslosenquote sank bundesweit auf 9,6 % (Ursprungszahl).

 


Das Preisklima auf der Verbraucherstufe ist weiterhin ruhig. Gegenüber dem Vormonat gingen die Verbraucherpreise sogar geringfügig um 0,1 % zurück. Ausschlaggebend war die Entwicklung bei Heizöl und Kraftstoffen. Gegenüber dem Vorjahr lagen die Preise im November um 1,5 % höher. Die Kerninflation, also der Preisauftrieb ohne Energie und saisonabhängige Nahrungsmittel, lag am Vorjahresniveau gemessen bei 1,1 %.

Quelle: BMWi - Pressemitteilung vom 15.12.06