Betriebswirt. Beratung -

Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im Mai 2007

Der Aufschwung setzt sich im laufenden Jahr mit beachtlicher Stärke fort. Trotz dämpfender Effekte im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung dominierte die robuste konjunkturelle Grunddynamik, unterstützt durch die milde Witterung, das Wirtschaftsgeschehen.

Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich entsprechend im ersten Quartal vorläufigen Angaben zufolge preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,5 % gegenüber dem Vorquartal. Die Impulse lieferte die lebhafte Investitionstätigkeit einschließlich Vorratsaufbau. Der private Konsum dämpfte dagegen die Entwicklung wie erwartet.

Gegenüber dem Vorjahresquartal nahm das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt um 3,3 % und kalenderbereinigt sogar um 3,6 % zu. Die Aussichten bleiben günstig, dass sich die Expansion der Wirtschaftsleistung auch in den kommenden Monaten mit hohem Tempo fortsetzen wird. Die konjunkturelle Dynamik steht auf immer breiterem Fundament und trägt sich zunehmend selbst. Die binnenwirtschaftliche Belebung wird dabei durch eine robuste Entwicklung der Weltwirtschaft gestützt.

 


Maßgebliche Impulse für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts lieferte auch im ersten Quartal das Produzierende Gewerbe. Trotz eines leichten Rückgangs der Produktion im März um preis- und saisonbereinigt 0,1 %, hatte die Aufwärtsdynamik Bestand (erstes Quartal: +1,7 %).
Die Industrieproduktion stieg im März weiter um saisonbereinigt 0,3 % an. Mit einem Zuwachs von 2,2 % im gesamten ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal blieb sie in der Tendenz deutlich aufwärts gerichtet. Sie wurde insbesondere durch den Zuwachs der Erzeugung von Vorleistungs- und Investitionsgütern gestützt. Die Konsumgüterproduktion wurde dagegen zunächst eingeschränkt, konnte sich im März allerdings bereits wieder erholen. Ihren Vorjahresabstand überschritt die Industrieproduktion im ersten Quartal arbeitstäglich bereinigt um 8,2 %.

 


Die Nachfrage nach industriellen Erzeugnissen hat nach der schwächeren Entwicklung im vierten Quartal 2006 zuletzt wieder deutlich an Schwung gewonnen. Nachdem die Auftragseingänge bereits im Februar gegenüber dem Vormonat um saisonbereinigt 4,3 % anstiegen, erhöhten sie sich im März noch einmal um 2,4 %. Der Zuwachs im ersten Quartal von 3,9 % wurde dabei sowohl von der Auslands- als auch von der Inlandsnachfrage getragen (+5,1 % bzw. +2,8 %). Insbesondere die Hersteller von Investitionsgütern verbuchten einen Nachfrageschub (+6,9 %). Mit der positiven Entwicklung der Auftragseingänge in der Industrie hellte sich auch das ohnehin schon zuversichtliche Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe weiter spürbar auf. Die Zeichen für eine Fortsetzung der kraftvollen Industriekonjunktur stehen somit außerordentlich günstig.

 


Nach der kräftigen Produktionsausweitung im Januar und Februar brach die Erzeugung im Bauhauptgewerbe dagegen im März preis- und saisonbereinigt um 6,5 % ein. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass hier die Produktion zu Beginn des Jahres von der milden Witterung profitierte, während im Gegenzug die Frühjahrsbelebung fast zwangsläufig weniger deutlich ausfiel als gewöhnlich. Trotz des Rückganges im März stieg die Erzeugung im Bauhauptgewerbe im ersten Quartal gegenüber dem vierten Quartal 2006 dann auch spürbar um saisonbereinigt 3,6 % an. Die Nachfrage nach Bauleistungen zeigt sich, gestützt durch öffentliche Aufträge, in der Tendenz wieder aufwärts gerichtet (Zweimonatsvergleich: +8,3 %, Dreimonatsvergleich: +3,7 % [4]). Auch das Geschäftsklima befindet sich weiterhin auf einem vergleichsweise ansprechenden Niveau. Der Aufschwung im Bauhauptgewerbe sollte sich demnach, wenn auch voraussichtlich mit einem moderateren Tempo als bisher, fortsetzen.


Die Entwicklung des privaten Konsums war im ersten Quartal geprägt durch die Auswirkungen der Anhebung der Mehrwertsteuer. Hierauf deutet die insgesamt schwache Entwicklung der Umsätze im Einzelhandel hin. Nach einem Einbruch im Januar (einschließlich Handel mit Kraftfahrzeugen und Tankstellen) konnte der Rückgang im Februar und März mit einem Plus von saisonbereinigt 2,2 % bzw. 0,9 % zwar wieder teilweise aufgeholt werden.

 


Im ersten Quartal lag das Umsatzvolumen dennoch mit -7,6 % deutlich unter dem des Vorquartals. Für die kommenden Monate zeichnet sich allerdings eine nachhaltige Belebung des privaten Konsums ab. Insbesondere die anhaltend positive Beschäftigungsentwicklung und die damit einhergehende Verbesserung der Einkommensperspektiven sollte dem privaten Konsum Auftrieb verleihen.

 


Der Außenhandel hat im ersten Quartal nicht zum Wachstum beigetragen. Die starke Exportdynamik des vierten Quartal 2006 setzte sich zunächst nicht fort. Die nominellen Warenausfuhren gingen im März - nach einem Anstieg um saisonbereinigt 1,8 % im Februar - um 1,4 % zurück. Im gesamten ersten Quartal ergab sich damit ein leichter Rückgang um 0,4 % gegenüber dem Vorquartal. Ihren Vorjahresabstand überschritten die Ausfuhren allerdings weiter deutlich um +11,1 % (Ursprungswert). Die nach wie vor robuste Entwicklung der Weltwirtschaft sollte die Exportdynamik jedoch auch in den kommenden Monaten stützen. Dafür sprechen insbesondere auch die anhaltend hohe Auslandsnachfrage nach deutschen Industriegütern und die zuletzt wieder gestiegenen ifo-Exporterwartungen. Belastend könnte sich allerdings eine anhaltende Aufwertung des Euro auswirken. Die nominellen Wareneinfuhren sind bei starken monatlichen Schwankungen im März wieder um 3,0 % zurückgegangen. In der Tendenz sind sie weiter aufwärts gerichtet (+1,8 % im Dreimonatsvergleich).

 


Die Belebung am Arbeitsmarkt setzt sich, getragen vom konjunkturellen Aufschwung, fort. Im März nahm die Zahl der Erwerbstätigen weiter um saisonbereinigt 52.000 zu. Binnen Jahresfrist stieg die Erwerbstätigkeit sogar um 601.000. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung trug dabei mit einem Plus von 650.000 im Februar gegenüber dem Vorjahr weiter maßgeblich zum Beschäftigungsaufbau bei. Im Gegenzug ging die Arbeitslosigkeit im April weiter um saisonbereinigt 9.000 zurück. Die geringe Winterarbeitslosigkeit hat dabei dazu geführt, dass die Frühjahrsbelebung nicht kräftiger ausfiel. Dennoch sank die Zahl der Arbeitslosen unter die Vier-Millionen-Grenze auf nunmehr 3,967 Mio. Angesichts der gefestigten konjunkturellen Dynamik werden sich die positiven Tendenzen am Arbeitsmarkt fortsetzen.

 


Der Index der Verbraucherpreise erhöhte sich von März auf April um 0,4 %, nach +0,3 % im Vormonat. Insbesondere die Preiserhöhungen bei saisonabhängigen Nahrungsmitteln sowie Heizöl und Kraftstoffe wirkten sich aus. Die Jahresrate der Verbraucherpreisinflation lag im April unverändert bei +1,9 %. Der Einfluss der Erhöhung der Mehrwertsteuer auf den Anstieg des allgemeinen Preisniveaus blieb bislang begrenzt und wurde teilweise durch andere, gegenläufige Entwicklungen überlagert.

Quelle: Statistisches Bundesamt - Pressemitteilung vom 18.05.07