Die Abgeltungsteuer bringt einen Systembruch mit erheblichem Einfluss auf Zertifikate und Optionsscheine. Dies erfordert schon heute eine Strategieanpassung.
Besitzer von Derivaten sitzen derzeit meist die einjährige Spekulationsfrist aus und realisieren ihre Gewinne anschließend steuerfrei. Das gilt für das gehebelte Plus über Optionsscheine genauso wie bei Zusagen über Bonus, Speed oder Schutzbarriere. Das entfällt 2009, realisierte Gewinne unterliegen dann dem Abgeltungssatz. Zudem entfällt für Derivate die Freigrenze auf Spekulationsgewinne bis zu 512 Euro jährlich. Im Rahmen der Abgeltungsteuer bleiben zwar über den neuen Sparerpauschbetrag 801 Euro steuerfrei, dieser Betrag wird aber meist schon von Zinsen und Dividenden aufgezehrt.
Dennoch werden sich Anleger nicht abwenden, denn Derivate kommen mangels steuerlich günstigerer Alternativen noch ganz gut davon. Während bei Aktien, Fonds oder Anleihen die jährlichen Ausschüttungen versteuert werden, fließen sie bei Zertifikaten erst einmal abgabenfrei in den Kurs. Beziehen die sich auf einen dividendenstarken Performance-Index, laufen durch die Wiedereinrechnung der Ausschüttungen mit Zinseszinseffekt bis zu Verkauf oder Fälligkeit auf. Lag das Indexzertifikat bereits am 14.03.2007 im Depot, wird dauerhaft die Steuerfreiheit konserviert.Durch die Abgeltungsteuer auf Kapitaleinnahmen und realisierte Kursgewinne wird erstmals eine gesamte Einkunftsart vom übrigen Steuersystem abgekoppelt und belastet nicht mehr die Progression der übrigen Einkünfte. Der fixe Satz von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer bringt Anlegern mit hoher Progression eine deutliche Entlastung, statt bis zu 51 Prozent mindern ab 2009 nur rund 28 Prozent die Rendite der Geldanlage.
Besitzer von Derivaten interessieren diese allgemeinen Vorzüge wenig. Sie sitzen meist die einjährige Spekulationsfrist aus und kassieren Gewinne ohnehin steuerfrei. Das gehebelte Plus über Optionsscheine oder Knock-Out-Produkte fließt genauso ohne Beteiligung des Fiskus aufs Konto wie Zusagen über Bonus, Discount, Outperformance oder Schutzbarriere. Damit ist nach Silvester 2008 Schluss, realisierte Gewinne unterliegen dann dem Abgeltungssatz. Da tröstet es kaum, dass Aktien durch den Wegfall des Halbeinkünfteverfahrens noch schlechter wegkommen und auch Investmentfonds keine steuerfreien Kursgewinne mehr aufweisen.
Dennoch werden sich Anleger Neujahr 2009 nicht von den Derivaten abwenden, denn die Papiere kommen mangels steuerlich günstigerer Alternativen noch ganz gut davon. Während bei Aktien, Fonds oder Anleihen die jährlichen Ausschüttungen versteuert werden, fließen sie bei Zertifikaten erst einmal abgabenfrei in den Kurs. Beziehen die sich auf einen dividendenstarken Performance-Index, laufen durch die Wiedereinrechnung der Ausschüttungen pro Jahr bis zu vier Prozent mit Zinseszinseffekt bis zu Verkauf oder Fälligkeit auf. Bei vergleichbaren Aktienfonds oder ETFs sind es netto nur bis zu drei Prozent. Liegt das Zertifikat bereits am 14.03.2007 im Depot, wird für sämtliche auflaufende Gewinne inklusive eingerechneter Dividenden dauerhaft die Steuerfreiheit konserviert. Mit Fonds und Aktien gelingt das zwar mit den Kursgewinnen, nicht aber bei den Dividenden und Zinsen. Beim späteren Erwerb wirkt die Spekulationsfrist aber nur noch bis zum 30.06.2009.
Anleger müssen ihre Optionsscheine oder Zertifikate also nicht fluchtartig aus dem Depot werfen, sondern können diesen Bestandsschutz sogar gezielt einsetzen. Wer derzeit Derivate ordert, kann nach Ablauf der Spekulationsfrist und bis zum 30.06.2009 entscheiden, ob er die Papiere steuerfrei verkaufen will oder im Verlustfall lieber den Juli abwartet. Dann kann er das Minus unter der neuen Regelung verrechnen.
Sofern Verlustbringer aus Erwerben vor dem 15.03.2007 im Depot schlummern, empfiehlt sich ein rechtzeitiges Abstoßen vor Ablauf der Spekulationsfrist. Dann ist das heute gerettete Steuerminus noch bis Ende 2013 mit allen realisierten Gewinnen im neuen System verrechenbar und erspart insoweit die Abgeltungsteuer. Der Verkaufserlös wird dann in aussichtsreichere Werte reinvestiert, bis Ende 2008. Allerdings wirken diese Altverluste nicht auf Zinsen und Dividenden.
In schlechten Börsenzeiten oder bei Fehlinvestition profitieren Zertifikate vom neuen System, da die roten Zahlen auch nach über einem Jahr verrechenbar sind, neben Gewinnen auch mit Zinsen oder Dividenden. Das realisierte Minus berücksichtigt bereits die Bank, insoweit fallen dann über den Freistellungsauftrag hinaus keine Abgaben an. Das gelingt aber nur mit ab Neujahr 2009 erworbenen Papieren, bei zuvor georderten verpufft das Minus weiterhin nach zwölf Monaten.
Der steuerliche Hintergrund
Schuldverschreibungen in Form von Zertifikaten werden immer beliebter. Ende 2006 hatten deutsche Anleger für mehr als 100 Mrd. € solche Wertpapiere in ihren Depots. Dabei haben sie die Wahl zwischen rund 125.000 verschiedenen Produkten an deutschen Börsen, von über 30 Emittenten. Damit haben die Zertifikate innerhalb weniger Jahre bereits ein Fünftel des Geldes eingesammelt, das in Investmentfonds steckt. Besonders gefragt sind Discount-Zertifikate sowie Papiere mit einem Kurspuffer, also Garantie oder Bonus. Neben der Vielzahl an verschiedene Papiere bringen auch attraktive Steuervorteile dieses Produkt immer mehr nach vorne. Anleger können somit aus einer Fülle von Zertifikaten mit unterschiedlicher Ausstattung auswählen, finden flexible Handelsmöglichkeiten und kommen meist in den Genuss von Steuerfreiheit. Zertifikate
- werden zumeist von Banken als Emittenten begeben
- besitzen einen Rückzahlungsbetrag, der nach vorgegeben Regeln von der Kursentwicklung eines Basiswerts abhängig ist
- sind rechtlich Inhaberschuldverschreibungen
- haben begrenze (Fälligkeit) oder unbegrenzte Laufzeiten (open end)
- sind täglich an der Börse handelbar
- besitzen jederzeit einen aktuellen Wert
Zertifikate bieten Privatanlegern die Möglichkeit, mit geringen Beträgen Strategien zu verfolgen, die auf herkömmlichem Weg institutionellen Investoren vorbehalten sind. Über die Derivate lassen sich ganze Märkte in einem Depot abdecken, Aktien, Anleihen, Immobilien, einzelne Staaten, Regionen, Branchen, Schwellenländer, Rohstoffe, Währungen sowie Strategien von Private Equity- und Hedge-Fonds.
Der Begriff Zertifikat ist lediglich eine Sammelbezeichnung für besonders strukturierte Wertpapiere und rechtlich nicht geschützt. Somit können Emittenten ihre Produkte nach Belieben als Zertifikate herausbringen. Es handelt sich um Inhaberschuldverschreibungen, deren Ertrag sich nach vorher festgelegten Kursentwicklungen bemisst. Zertifikate werden wie Wertpapiere gehandelt und fallen sowohl unter das WpHG als auch das WpPG. Jedem öffentlichen Angebot muss ein Prospekt zugrunde liegen, was von der BaFin geprüft wird. Durch die Einführung von MiFID kommt es zu engeren Regulierungen, indem Informationspflichten und Regeln zum Marketing festgelegt werden.
Aktien- und Index -Zertifikate haben vergleichbaren Fonds bei Privatanlegern einen großen Marktanteil abgenommen, Garantiezertifikate waren besonders in Zeiten schwacher Börsen der Renner. Fondsgesellschaften beklagen eine massive Abwanderung bei Aktienfonds. Zuletzt ist sogar die Tendenz erkennbar, dass Fonds verstärkt auf Zertifikate in ihrem Sondervermögen setzen. Für diesen Trend gibt es verschiedene Gründe:
- Fondsmanager schlagen oft noch nicht einmal den Index.
- Die Fondsgebühren sind höher als bei Zertifikaten.
- Beim Erwerb von Fonds fallen i.d.R. Ausgabeaufschläge an.
- Mit Zertifikaten lassen sich Indexstände eins zu eins abbilden, bei Fonds muss stets der Rücknahmewert beachtet werden.
- Fonds können i.d.R. nur einmal täglich an- und verkauft werden, Zertifikate hingegen permanent.
- Zertifikate bieten Puffer, Speed, Garantie, Fallschirm, Doublechance, Discount oder andere Gestaltungsmöglichkeiten. Solche Varianten sind auf der Fondsebene kaum zu finden.
- Die steuerliche Behandlung ist in den meisten Fällen günstiger als bei Investmentfonds.
Eine Reihe von Zertifikaten werden in Form von Sparplänen - meist ab 100 € monatlich angeboten. Dies ist möglich bei Papieren, die keinen Fälligkeitstermin aufweisen. Bislang war dies ein Vorteil von Investmentfonds. Zertifikate werden permanent an der Börse gehandelt. Sofern keine rege Nachfrage besteht, sorgen die Emissionshäuser ständig für Kauf- und Verkaufskurse. In diesem Bereich holen die Investmentfonds erst langsam auf. Zertifikate lassen sich auch außerbörslich über den jeweiligen Emittenten erwerben und verkaufen. Hierbei erfolgt die Abwicklung in Sekundenschnelle und die Börsencourtage entfällt. Dafür können Anleger keine Limits setzen. Diese Option bieten generell Online-Broker neben der Order über die Börse an.
Anlage-Tipp
Einige Börsen sowie Kreditinstitute vertreiben Zertifikate bereits während der Zeichnungsphase. Das Verfahren unterscheidet sich insoweit von der Neuemission bei Aktien, dass es weder zu Überzeichnungen kommt noch eine Preisspanne besteht. Der Ausgabekurs ist fix und die Emissionshäuser können die Nachfrage nahezu beliebig befriedigen. Allerdings verlangen die Banken meist einen Ausgabeaufschlag. Wird das Zertifikat hingegen anschließend über die Börse erworben, entfällt dieser Aufschlag, hier richtet sich der Preis lediglich nach den üblichen Kursschwankungen. Dafür fallen Transaktionskosten an, die bei der Erstausgabe entfallen. Somit ist die Höhe des Agios dafür entscheidend, ob sich ein vorzeitiger Kauf lohnt.
Der Auszug zu "Der steuerliche Hintergrund" ist dem 510 Seiten starken Ratgeber „Kapitalanlage und Steuern 2007“ entnommen.
Quelle: Deubner Redaktion - Kapitalanlage und Steuern 2007 vom 29.05.07