Steuerberatung -

Steuerpflichtige Dividenden in Kursgewinne tauschen

Mit Discountzertifikaten können Anleger auf den gesunkenen Sparerfreibetrag reagieren. Diese Papiere rentieren fast immer besser als das Direktinvestment in Aktien.

Die Nachteile des auf 750 Euro gesunkenen Sparerfreibetrags lassen sich vermeiden, indem zur Hälfte steuerpflichtige Dividenden in nach einem Jahr steuerfreie Discountzertifikate getaucht werden. Diese Derivate zahlen keine steuerpflichtigen Erträge aus, sondern räumen ihren Besitzern über den Kursabschlag die Möglichkeit von zusätzlichen Renditechancen ein.

Die zwölfmonatige Spekulationsfrist kann hierbei voraussichtlich für bis Silvester 2008 erworbene Papiere genutzt werden, da im Rahmen der geplanten Abgeltungsteuer ab 2009 nur Neukäufe zählen. Insoweit können die Discounts weiterhin für steuerlich attraktive Nettorenditen sorgen.

Mehr als 20.000 verschiedene Discountzertifikate notieren derzeit an den heimischen Börsenplätzen. Sie haben Laufzeiten zwischen zwölf Monaten und drei Jahren und werden mit einem Abschlag auf den Kurs einer bestimmten Aktie oder einem Börsenindex angeboten. Der Besitzer erhält bei Fälligkeit Wertpapiere oder eine Barauszahlung. Der große Vorteil liegt im meist zweistelligen Abschlag auf die aktuelle Börsennotierung. Der Basiswert kann somit bis zur Höhe des Discounts fallen, ohne dass Anleger Verluste verbuchen müssen. Verharrt der Kurs, ergibt sich bereits ein stattlicher Ertrag. Steigt der Basiswert moderat an, summiert sich der Gewinn aus dem Kursplus und dem verbilligten Kaufpreis.

Als Gegenleistung für den gewährten Discount bauen die Emittenten eine Obergrenze ein, das so genannte Cap: Liegt der Kurs des zu Grunde liegenden Wertes bei Fälligkeit über diesem Wert, erhält der Anleger nur das Cap als Maximalbetrag ausgezahlt. Gewinne sind somit begrenzt, Kursverluste hingegen nicht. Durch den Discount ist das mögliche Minus aber immer deutlich geringer als beim Direktinvestment. Neben den positiven Ertragsaussichten wirkt der Abschlag daher auch als Verlustpuffer. Nur wenn die Aktie extrem stark zulegt, wäre eine Direktanlage die bessere Lösung gewesen.

Discountzertifikate können sogar als Festgeldersatz in Frage kommen und umgehen die Steuerlast auf die Zinsen. Denn bei einer Reihe der börsennotierten Papiere sind die Gewinnaussichten von Vorne herein begrenzt, da der zu Grunde liegende Index deutlich über der maximalen Obergrenze liegt. Wer beispielsweise ein Zertifikat auf den DAX mit Cap 3.000 Punkte erwirbt, bekommt bei Fälligkeit in rund zwei Jahren mit ziemlicher Sicherheit nur 30 Euro ausbezahlt, da das Börsenbarometer bereits bei rund 6.500 Punkten notiert.

Das Zertifikat kostet 27,60 Euro, sodass sich ein Gewinn von 2,40 Euro und eine Jahresrendite von 4,15 Prozent ergibt. Auf zwei Jahre gesehen ist das gut ein halbes Prozent mehr als bei vergleichbaren Zinspapieren und der Ertrag bleibt außerhalb der Spekulationsfrist steuerfrei. Das einzige Risiko besteht darin, dass der DAX in diesem Zeitraum um über als 3.500 Punkte fällt und sich damit mehr als halbiert. Wer dieses überschaubare Manko einkalkuliert, kassiert lukrative Festgeldzinsen mit einer fast doppelt so hohen Nachsteuerrendite.

Der steuerliche Hintergrund

Zertifikate

Schuldverschreibungen in Form von Zertifikaten werden immer beliebter. Ende 2006 hatten deutsche Anleger für mehr als 100 Mrd. € solche Wertpapiere in ihren Depots. Dabei haben sie die Wahl zwischen mehr als 100.000 verschiedenen Produkten von über 30 Emittenten. Damit haben die Zertifikate innerhalb weniger Jahre bereits ein Fünftel des Geldes eingesammelt, das in Investmentfonds steckt. Besonders gefragt sind Discount-Zertifikate sowie Papiere mit einem Kurspuffer, also Garantie oder Bonus. Neben der Vielzahl an verschiedene Papiere bringen auch attraktive Steuervorteile dieses Produkt immer mehr nach vorne. Anleger können somit aus einer Fülle von Zertifikaten mit unterschiedlicher Ausstattung auswählen, finden flexible Handelsmöglichkeiten und kommen meist in den Genuss von Steuerfreiheit.

Zertifikate

  • werden zumeist vom Banken als Emittenten begeben
  • besitzen einen Rückzahlungsbetrag, der nach vorgegeben Regeln von der Kursentwicklung eines Basiswertes abhängig ist
  • sind rechtlich Inhaberschuldverschreibungen
  • haben begrenze (Fälligkeit) oder unbegrenzte Laufzeiten (open end)
  • sind täglich an der Börse handelbar
  • besitzen jederzeit einen aktuellen Wert

Der Begriff Zertifikat ist lediglich eine Sammelbezeichnung für besonders strukturierte Wertpapiere und rechtlich nicht geschützt. Somit können Emittenten ihre Produkte nach Belieben als Zertifikate herausbringen. Es handelt sich um Inhaberschuldverschreibungen, deren Ertrag sich nach vorher festgelegten Kursentwicklungen bemisst. Aktien- und Indexzertifikate haben vergleichbaren Fonds bei Privatanlegern einen großen Marktanteil abgenommen, Garantiezertifikate waren besonders in Zeiten schwacher Börsen der Renner. Fondsgesellschaften beklagen eine massive Abwanderung bei Aktienfonds. Zuletzt ist sogar die Tendenz erkennbar, dass Fonds verstärkt auf Zertifikate in ihrem Sondervermögen setzen. Für diesen Trend gibt es verschiedene Gründe:

  • Fondsmanager schlagen oft noch nicht einmal den Index
  • Die Fondsgebühren sind höher als bei Zertifikaten
  • Beim Erwerb von Fonds fallen in der Regel Ausgabeaufschläge an
  • Mit Zertifikaten lassen sich Indexstände eins zu eins abbilden, bei Fonds muss stets der Rücknahmewert beachtet werden
  • Fonds können i.d.R. nur einmal täglich an- und verkauft werden, Zertifikate hingegen permanent
  • Zertifikate bieten Puffer, Speed, Garantie, Fallschirm, Doublechance, Discount oder andere Gestaltungsmöglichkeiten. Solche Varianten sind auf der Fondsebene kaum zu finden
  • Die steuerliche Behandlung ist in den meisten Fällen günstiger als bei Investmentfonds

Eine Reihe von Zertifikaten werden in Form von Sparplänen – meist ab 100 € monatlich – angeboten. Dies ist möglich bei Papieren, die keinen Fälligkeitstermin aufweisen. Bislang war dies ein Vorteil von Investmentfonds. Zertifikate werden permanent an der Börse gehandelt. Sofern keine rege Nachfrage besteht, sorgen die Emissionshäuser ständig für Kauf- und Verkaufskurse. In diesem Bereich holen die Investmentfonds erst langsam auf.

Anlage-Tipp:

Einige Börsen sowie Kreditinstitute vertreiben Zertifikate bereits während der Zeichnungsphase. Das Verfahren unterscheidet sich insoweit von der Neuemission bei Aktien, dass es weder zu Überzeichnungen kommt noch eine Preisspanne besteht. Der Ausgabekurs ist fix, und die Emissionshäuser können die Nachfrage nahezu beliebig befriedigen. Allerdings verlangen die Banken meist einen Ausgabeaufschlag. Wird das Zertifikat hingegen anschließend über die Börse erworben, entfällt dieser Aufschlag, hier richtet sich der Preis lediglich nach den üblichen Kursschwankungen. Dafür fallen Transaktionskosten an, die bei der Erstausgabe entfallen. Somit ist die Höhe des Agios dafür entscheidend, ob sich ein vorzeitiger Kauf lohnt.

Für die steuerliche Einordnung der Zertifikate sind das BMF-Schreiben vom 27.11.2001 (IV C 3 - S 2256 - 265/01, BStBl I 2001 S. 986) sowie die Verfügung der OFD Kiel vom 3.7.2003 (S 2252 A - St 231, StEK EStG § 20/308) maßgebend. Hieraus ergibt sich, dass Erträge aus Finanzanlagen keine Kapitaleinnahmen i.S.d. § 20 EStG darstellen, wenn die Rückzahlung des investierten Vermögens ausschließlich von einem ungewissen Ereignis wie etwa der Wertentwicklung eines Index abhängt. § 20 Abs. 2 Nr. 4c EStG greift nur, wenn die Höhe der Erträge von einem ungewissen Ereignis abhängt. Bei Zertifikaten kann es jedoch theoretisch zu einem Totalverlust kommen, so dass diese Vorschrift nicht wirkt. Somit werden lediglich Veräußerungsvorgänge erfasst, bei denen zwischen Anschaffung und Veräußerung oder Einlösung nicht mehr als ein Jahr liegt.

Der Auszug ist dem 510 Seiten starken Ratgeber „Kapitalanlage und Steuern 2007“ entnommen

Quelle: Deubner Redaktion - Kapitalanlage und Steuern 2007 vom 22.03.07