Stand: Oktober 2026
Ausnahmen von der TSE-Pflicht und anderen Kassen-Regeln: Was bei Ihren Mandanten greift
Eines vorweg: Das Kassengesetz lässt nur wenige Ausnahmen zu. TSE-Pflicht, Belegausgabepflicht und Meldepflicht gelten für alle Unternehmen, die mit einem elektronischen Kassensystem arbeiten. Einige Ausnahmefälle gibt es dann doch, und mit dem Zweiten Kassengesetz kommen ab 2028 neue hinzu. Hier sehen Sie, welche Ausnahmen aktuell gelten, welche ausgelaufen sind und was Sie für Ihre Mandanten prüfen sollten.
Aktuell
Ab 2028 soll eine Kassenpflicht für Unternehmen mit mehr als 100.000 € Umsatz gelten – mit eigenen Ausnahmen. Alles zur Kassenpflicht ab 2028 im Überblick
Die Ausnahmen im Überblick
| Pflicht | Mögliche Ausnahme | Status |
|---|---|---|
| TSE-Pflicht | Befreiung im Härtefall nach § 148 AO | gilt, nur im Einzelfall |
| Belegausgabepflicht | Offene Ladenkasse; Befreiung beim Verkauf an eine Vielzahl nicht bekannter Personen | gilt bis Ende 2027 |
| Kassenpflicht (neu) | Barumsatz unter 12.000 €, Härtefall, Ausnahmeverordnung | geplant ab 2028 |
| TSE-Nachrüstung | Übergangsregelung für nicht aufrüstbare Altkassen | ausgelaufen am 31.12.2022 |
Ausnahme 1: Befreiung von der TSE-Pflicht nur im Härtefall
Eine allgemeine Ausnahme von der TSE-Pflicht gibt es nicht. Wer ein elektronisches Kassensystem einsetzt, muss es mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung schützen. Möglich ist nur eine Befreiung im Einzelfall nach § 148 AO, wenn die Erfüllung der Pflicht eine sachliche Härte bedeutet.
Die Hürden sind hoch. Die Kosten für die Aufrüstung allein begründen nach Auffassung der Finanzverwaltung keinen Härtefall, allenfalls in Kombination mit weiteren Umständen. Für einen Antrag gilt deshalb:
- Begründen Sie den Antrag individuell und bezogen auf den konkreten Betrieb Ihres Mandanten.
- Trennen Sie technische und finanzielle Gründe und belegen Sie beide gesondert, etwa durch Herstellerschreiben oder Nachweise über die finanzielle Lage.
- Geben Sie an, bis wann Ihr Mandant das Kassensystem voraussichtlich nachrüsten kann, und kalkulieren Sie den Zeitpuffer nicht zu großzügig.
- Rechnen Sie damit, dass das Finanzamt die Angaben überprüft, zum Beispiel im Rahmen einer Kassen-Nachschau.
Ausnahme 2: Belegausgabepflicht
Offene Ladenkasse: Die Belegausgabepflicht gilt nur für elektronische Kassensysteme. Unternehmen mit offener Ladenkasse müssen keinen Beleg ausgeben. Ab 2028 gilt das allerdings nur noch für Betriebe, die nicht unter die neue Kassenpflicht fallen.
Verkauf an eine Vielzahl nicht bekannter Personen: Werden Waren an eine Vielzahl nicht bekannter Personen verkauft, kann das Finanzamt auf Antrag von der Belegausgabepflicht befreien (§ 146a Abs. 2 Satz 2 AO i. V. m. § 148 AO). Auch hier gilt: Die Kosten der Belegausgabe allein stellen keine sachliche Härte dar.
E-Bon statt Papierbon: Bis Ende 2027 kann der Beleg mit Zustimmung des Kunden elektronisch ausgegeben werden. Nach einem BMF-Schreiben vom 28.05.2020 genügt dafür auch eine stillschweigende Zustimmung, etwa wenn der Kunde im Geschäft auf die elektronische Belegausgabe hingewiesen wird und nicht widerspricht. Widerspricht er, ist ein Papierbon auszugeben.
Ab 2028: digitaler Beleg statt Papierbon
Mit dem Zweiten Kassengesetz soll die papierhafte Belegausgabepflicht entfallen. Unternehmen müssen dann einen elektronischen Beleg bereitstellen, Kunden müssen ihn aber nicht annehmen. Mehr zum digitalen Beleg ab 2028
Ausnahme 3 (neu ab 2028): Ausnahmen von der Kassenpflicht
Nach dem Regierungsentwurf vom 23.09.2026 sollen Unternehmen mit Gewinneinkünften und einem Gesamtumsatz von mehr als 100.000 € ab 2028 eine elektronische Kasse mit TSE verwenden müssen. Wer darunter bleibt, darf weiter mit offener Ladenkasse arbeiten. Doch auch oberhalb der Umsatzgrenze sieht der Entwurf Ausnahmen vor:
- Geringe Barumsätze: Ausgenommen sein sollen Steuerpflichtige, die Barzahlungen annehmen und im Kalenderjahr weniger als 12.000 € in bar einnehmen – auch wenn ihr Gesamtumsatz über 100.000 € liegt. Kartenzahlungen zählen für diese Grenze nicht mit.
- Härtefall: Bei sachlicher Härte kann das Finanzamt im Einzelfall in entsprechender Anwendung des § 148 AO von der Kassenpflicht befreien.
- Kassenpflicht-Ausnahmeverordnung: Das BMF soll per Rechtsverordnung allgemeine Ausnahmen festlegen, etwa für Vertrauenskassen, die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Betriebe sowie Wochen- und Jahrmärkte. Bisher liegt dazu nur ein Diskussionsentwurf vor.
Achtung bei bargeldlosen Betrieben
Nach dem Wortlaut des Entwurfs greift die Barumsatz-Ausnahme nur bei Steuerpflichtigen, die Bargeld annehmen. Betriebe, die ausschließlich Kartenzahlungen akzeptieren, wären danach ab 100.000 € Umsatz kassenpflichtig. Stufen Sie solche Mandanten deshalb nicht vorschnell als befreit ein.
Wer genau betroffen ist, ab wann die Pflicht greift und warum bereits die Umsätze 2026 zählen, lesen Sie in unserem Beitrag Kassenpflicht ab 2028: Was der Regierungsentwurf zum Zweiten Kassengesetz vorsieht.
Ausgelaufen: Übergangsregelung für nicht aufrüstbare Altkassen
Elektronische Kassen, die zwischen dem 26.11.2010 und dem 31.12.2019 angeschafft wurden, die Anforderungen der Kassenrichtlinie erfüllten, aber nicht mit einer TSE aufgerüstet werden konnten, durften bis zum 31.12.2022 weiter genutzt werden. Diese Übergangsregelung ist ausgelaufen. Seit dem 1.1.2023 muss jede elektronische Kasse den Anforderungen des Kassengesetzes entsprechen.
Praxistipp
Seit dem 1.1.2020 dürfen elektronische Aufzeichnungssysteme ohne TSE-Aufrüstmöglichkeit nicht mehr gewerblich in Verkehr gebracht werden. Mandanten sollten ihre alte Kasse deshalb nicht verkaufen, sondern für einen möglichen Datenzugriff bei einer Betriebsprüfung aufbewahren.
Keine Ausnahme: die Meldepflicht für Kassensysteme
Unabhängig von den Ausnahmen oben gilt: Elektronische Kassensysteme sind dem Finanzamt seit 2025 über ELSTER zu melden, ebenso Anschaffung und Außerbetriebnahme. Alles zur Meldepflicht für Kassensysteme
Häufige Fragen zu Ausnahmen beim Kassengesetz
Gibt es eine Ausnahme von der TSE-Pflicht?
Nur im Einzelfall. Auf Antrag kann das Finanzamt bei sachlicher Härte nach § 148 AO befreien. Die Kosten der Aufrüstung allein reichen dafür nicht aus.
Muss ich bei einer offenen Ladenkasse einen Bon ausgeben?
Nein. Die Belegausgabepflicht gilt nur für elektronische Kassensysteme. Ab 2028 dürfen allerdings nur noch Betriebe unterhalb der Umsatzgrenzen oder mit einer Ausnahme eine offene Ladenkasse führen.
Dürfen alte Kassen ohne TSE noch genutzt werden?
Nein. Die Übergangsregelung für nicht aufrüstbare Altkassen ist am 31.12.2022 ausgelaufen. Seit 2023 muss jede elektronische Kasse mit einer zertifizierten TSE arbeiten.
Wer ist von der Kassenpflicht ab 2028 ausgenommen?
Nach dem Regierungsentwurf Unternehmen mit höchstens 100.000 € Gesamtumsatz sowie Steuerpflichtige, die Barzahlungen annehmen und weniger als 12.000 € im Jahr in bar einnehmen. Hinzu kommen Härtefälle und die Ausnahmen der geplanten Kassenpflicht-Ausnahmeverordnung.
Spezialreport Meldepflicht
Alles zur Meldepflicht für elektronische Kassensysteme über ELSTER und ERiC.
Mandanten-Infografiken Kasse
Elektronische Kasse, Kassen-Nachschau und offene Ladenkasse: je eine Infografik für typische Mandantenfragen.