Kassengesetz 2026: Vom KassenG zum Zweiten Kassengesetz
Seit dem Kassengesetz von 2016 hat der Gesetzgeber die Regeln für Kassen Schritt für Schritt verschärft: Kassen-Nachschau, TSE-Pflicht, Belegausgabepflicht und zuletzt die Meldepflicht für elektronische Kassensysteme. Mit dem Zweiten Kassengesetz folgt der nächste große Schritt. Ab 2028 soll eine Kassenpflicht für Unternehmen mit mehr als 100.000 € Umsatz gelten, und der digitale Beleg soll den Papierbon ersetzen.
Für Ihre Mandanten bedeutet jede dieser Stufen neue Pflichten. Hier finden Sie alle Regeln im Überblick, unsere Fachbeiträge nach Themen geordnet sowie Reports und Infografiken für die Mandantenberatung.
Aktuell
Kassenpflicht ab 2028: Das Bundeskabinett hat am 23.09.2026 den Regierungsentwurf zum Zweiten Kassengesetz beschlossen. Wer ist betroffen, welche Ausnahmen gibt es und warum zählen schon die Umsätze 2026? Zum Beitrag: Kassenpflicht ab 2028 – was der Regierungsentwurf vorsieht
Das Kassenrecht im Zeitverlauf
- Dezember 2016 Kassengesetz verabschiedet Das Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen schafft die Grundlage für TSE-Pflicht und Kassen-Nachschau. Mehr zum Kassengesetz 2016
- 1.1.2018 Kassen-Nachschau Das Finanzamt darf Kassen unangekündigt und ohne besonderen Anlass prüfen. Mehr zur Kassen-Nachschau
- 1.1.2020 TSE-Pflicht und Belegausgabepflicht Elektronische Kassen brauchen eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung, zu jedem Geschäftsvorfall ist ein Beleg auszugeben. Die Nichtbeanstandungsregelung lief bis 30.9.2020, in einigen Ländern bis 31.3.2021. Mehr zu TSE-Pflicht und Ausnahmen
- 1.1.2025 Meldepflicht für elektronische Kassensysteme Elektronische Aufzeichnungssysteme, EU-Taxameter und Wegstreckenzähler sind dem Finanzamt über ELSTER zu melden. Bestandssysteme mussten bis 31.7.2025 gemeldet werden, seit 1.7.2025 sind Anschaffung und Außerbetriebnahme innerhalb eines Monats mitzuteilen. Mehr zur Kassen-Meldepflicht
- 23.9.2026 Regierungsentwurf zum Zweiten Kassengesetz Das Bundeskabinett beschließt Kassenpflicht, digitale Belege und schärfere Sanktionen. Das Gesetzgebungsverfahren läuft. Mehr zur Kassenpflicht 2028
- 1.1.2028 (geplant) Kassenpflicht und digitaler Beleg Unternehmen mit mehr als 100.000 € Gesamtumsatz müssen eine elektronische Kasse mit TSE verwenden. Der Papierbon wird durch eine elektronische Belegbereitstellung ersetzt.
Die Pflichten rund um die Kasse im Überblick
Kassenpflicht ab 2028
Elektronische Kasse für Unternehmen mit mehr als 100.000 € Umsatz, Ausnahme bei weniger als 12.000 € Barumsatz. Kassenpflicht ab 2028 im Überblick
TSE-Pflicht
Elektronische Aufzeichnungssysteme müssen durch eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung geschützt sein. TSE-Pflicht und Ausnahmen im Überblick
Meldepflicht
Kassensysteme sind dem Finanzamt über ELSTER zu melden, auch bei Anschaffung und Außerbetriebnahme. Alles zur Kassen-Meldepflicht
Kassen-Nachschau
Unangekündigte Prüfung der Kassenaufzeichnungen durch das Finanzamt, mit Rechten und Mitwirkungspflichten. So läuft die Kassen-Nachschau
Belegpflicht
Heute Belegausgabe bei jedem Geschäftsvorfall mit elektronischer Kasse, ab 2028 elektronische Belegbereitstellung statt Papierbon. Digitaler Beleg ab 2028
Ausnahmen
Welche Ausnahmen bei TSE, Belegausgabe und Nachrüstung für Ihre Mandanten greifen können. Ausnahmen für Ihre Mandanten prüfen
Wer braucht ab 2028 eine elektronische Kasse?
Nach dem Regierungsentwurf hängt die Kassenpflicht an zwei Grenzen: dem Gesamtumsatz im Sinne des § 19 Abs. 2 Satz 1 UStG und dem Umsatz mit Bargeld. Betroffen sind Steuerpflichtige mit Gewinneinkünften.
| Gesamtumsatz | Barumsatz | Kassenpflicht? |
|---|---|---|
| bis 100.000 € | beliebig | Nein, offene Ladenkasse bleibt zulässig |
| mehr als 100.000 € | ab 12.000 € | Ja, elektronische Kasse mit TSE |
| mehr als 100.000 € | unter 12.000 € | Nein, Ausnahme für geringe Barumsätze |
| mehr als 100.000 € | kein Bargeld | Unklar, nach dem Wortlaut ja |
Praxistipp
Für einen Start der Kassenpflicht zum 1.1.2028 zählen bereits die Umsätze 2026. Erfassen Sie bei Mandanten mit offener Ladenkasse deshalb schon jetzt Gesamtumsatz und Barumsatz getrennt.
Alle Beiträge zum Kassengesetz nach Themen
Kassenpflicht und Zweites Kassengesetz
Meldepflicht für Kassensysteme
- Meldepflicht für elektronische Kassensysteme startet 2025
- Wie Sie Ihre Mandanten durch die Kassenmeldung führen
TSE und technische Anforderungen
- TSE, Belegausgabepflicht, Nachrüstung der Kasse: Welche Ausnahmefälle können greifen?
- Technische Richtlinie zur Kassenführung veröffentlicht
- BMF: Vorgaben für elektronische Kassen – Anwendungserlass zu § 146a AO
- TSE-Kosten steuerlich absetzen? BMF äußert sich
- Änderung der Kassensicherungsverordnung 2021
- Neues zum Kassengesetz 2022 und 2023: BMF-Schreiben und aktualisiertes FAQ
Kassen-Nachschau, Kassenführung und Schätzung
- BFH: Zweifel an der Richtsatzsammlung
- Kassen-Nachschau: So sind Ihre Mandanten vorbereitet
- Anwendungserlass zur Kassen-Nachschau veröffentlicht
- Kassenführung: BMF regelt Einzelaufzeichnungspflicht
Archiv: Kassengesetz 2016 bis 2021
- Fristverlängerung TSE: Länder gehen ihren eigenen Weg
- Fristverlängerung der Nichtbeanstandungsfrist TSE
- BMF: Fristverlängerung beim Kassengesetz bis 30.9.2020
- Kassenführung ab 2020: Entwurf eines BMF-Schreibens
- Kassensicherungsverordnung 2017 verkündet
- KassenG 2016 überraschend verabschiedet
- Elektronische Kassen: BMF plant strengere Vorgaben (2016)
- Elektronische Kassen: Längere Übergangsfrist für neue Vorgaben (2016)
- Regierungsentwurf KassenG vom 13.7.2016 (PDF)
- Referentenentwurf KassenG vom 18.3.2016 (PDF)
- Referentenentwurf der technischen Verordnung (PDF)
Arbeitshilfen für die Mandantenberatung
Spezialreport Meldepflicht
Alles zur Meldepflicht für elektronische Kassensysteme über ELSTER und ERiC.
Mandanten-Infografiken Kasse
Elektronische Kasse, Kassen-Nachschau und offene Ladenkasse: je eine Infografik für typische Mandantenfragen.
Häufige Fragen zum Kassengesetz
Was regelt das Kassengesetz?
Das Kassengesetz von 2016 soll Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen verhindern. Es hat die TSE-Pflicht für elektronische Kassen nach § 146a AO, die Belegausgabepflicht und die Kassen-Nachschau eingeführt. Das geplante Zweite Kassengesetz ergänzt diese Regeln um eine Kassenpflicht ab 2028.
Gibt es ab 2028 eine Registrierkassenpflicht?
Nach dem Regierungsentwurf ja, für Unternehmen mit Gewinneinkünften und einem Gesamtumsatz von mehr als 100.000 € im Kalenderjahr. Ausgenommen sein sollen Steuerpflichtige, die Barzahlungen annehmen und weniger als 12.000 € im Jahr in bar einnehmen. Das Gesetz ist noch nicht verabschiedet.
Ist die offene Ladenkasse noch erlaubt?
Ja, derzeit gibt es keine allgemeine Pflicht zur elektronischen Kasse. Ab 2028 soll die offene Ladenkasse nur noch für Unternehmen zulässig sein, die unter den Umsatzgrenzen bleiben oder unter eine Ausnahme fallen.
Was ist eine TSE?
Die zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung schützt die Aufzeichnungen elektronischer Kassen vor nachträglicher Veränderung. Sie besteht aus Sicherheitsmodul, Speichermedium und einer einheitlichen digitalen Schnittstelle.
Müssen elektronische Kassen dem Finanzamt gemeldet werden?
Ja. Seit 2025 sind elektronische Aufzeichnungssysteme dem Finanzamt über ELSTER zu melden (mehr zur Meldepflicht für Kassensysteme). Ab 2028 soll zusätzlich auch ein Wechsel der TSE mitgeteilt werden müssen.
Was passiert bei einer Kassen-Nachschau?
Das Finanzamt kann ohne Vorankündigung prüfen, ob Kasseneinnahmen und -ausgaben ordnungsgemäß aufgezeichnet und in die Buchführung übernommen werden. Der Unternehmer muss dabei mitwirken. Mit dem Zweiten Kassengesetz erhält die Vorschrift eine neue Paragrafennummer, weil § 146b AO künftig die Kassenpflicht regeln soll.